Rückreise und Fazit

Ja mach nur einen Plan … Nur weil der Hinflug reibungslos verlaufen ist muss das noch lange nicht heißen, dass beim Rückflug auch alles funktioniert.

Beim Einchecken in Christchurch fängt es schon an. Seit wann muss man das alles eigentlich selber machen? Früher ging man an einen Schalter, und die nette Dame gegenüber hat alles erledigt. Inzwischen stehen überall Computerterminals zum Selbsteinchecken. Ich versuche es tapfer, scheitere aber irgendwie am Gepäck. Eine nicht ganz so nette Dame hilft mir schließlich (dass sie nicht die Augen verdreht hat war vermutlich das Ergebnis eines langen, intensiven Kundenservicetrainings). Es freut mich also insgeheim, als sie gleichfalls am Gepäck scheitert. Kommentarlos nimmt sie mich ins Schlepptau zum Dienstterminal, wo sie es dann schafft mich einzuchecken. Gepäckbanderole ausgedruckt, passendes Kleberle auf die Rückseite des Tickets, fertig. Weiter gehts zur Gepäckaufgabe. Die freundliche Mitarbeiterin dort scannt meine Gepäckbanderole – und scheitert: Irgendwas stimmt da nicht. „What exactly did you do?“ Ich hab gar nix gemacht, das hat die Mitarbeiterin da hinten für mich erledigt. Die darf stirnrunzelnd nun die ganze Eincheckprozedur nochmal durchspielen. Neue Gepäckbanderole. Nun klappts auch mit dem Einchecken des Gepäcks.

Der Flug von Christchurch nach Auckland verläuft ereignisfrei. Bei strahlendem Sonnenschein gehe ich die paar Schritte vom nationalen zum internationalen Terminal und will für den Flug nach Singapur einchecken. Und nun gibt es ein Problem, denn die Gepäcknummer auf dem Kleberle hinten auf dem Ticket ist „not valid“. Jetzt erst wird mir klar, dass beim Neuausdruck der Gepäckbanderole vergessen worden ist, auch das Kleberle neu auszudrucken. Eigentlich hätten das den Damen in Christchurch ja auffallen können … Ich erkläre die Situation, und zwei Mitarbeiter schaffen es schließlich in Teamwork, die richtige Gepäcknummer aus den Tiefen der EDV herauszukitzeln. Sie wird handschriftlich auf meinem Ticket ergänzt, denn das Gepäck ist ja schon durchgecheckt bis Frankfurt. Ob das wohl klappt …? Ich mache mich schonmal mit dem Gedanken vertraut, in Frankfurt eine Suchmeldung aufgeben zu müssen.

Von Auckland nach Singapur geht es wieder im Airbus, der offenbar fast komplett ausgebucht ist. Pünktlich geht es aufs Rollfeld. Und das ist dann für lange Zeit das Letzte, was planmäßig läuft. Ich sitze mit Blick auf eine Tragfläche und sehe, wie in der Kurve zur Startbahn plötzlich Qualm über der Tragfläche aufsteigt. Mir wird ganz anders, das haben die im Cockpit doch hoffentlich bemerkt? Haben sie. Der Startvorgang wird abgebrochen, und wir rollen langsam die Startbahn hinunter und dann auf eine Seitenbahn. Mit Zwischenstopps geht es dann zurück zum Terminal. Es folgt ein stundenlanges Spiel von Durchsagen, Warten, Durchsagen, Warten, Durchsagen … Eigentlich hätten wir um 13 Uhr abheben sollen. Zunächst erfahren wir, dass Techniker kommen müssen um zu überprüfen was wo los ist. Wir warten. Zum Glück können wir das umfangreiche Entertainmentsystem nutzen. Ich schaue mir „Dr. Strange“ an. Nach einiger Zeit kommt die Durchsage, dass die Techniker da sind und erstmal schauen müssen. Warten. Dann hören wir (die zwei deutschen Ehepaare vor mir haben das bereits vermutet), dass einige Räder ausgetauscht werden müssen (offenbar haben die Räder beim Bremsversuch blockiert). Die müssen nun allerdings erstmal besorgt werden. Kann ein paar Stunden dauern. Allgemeines Aufstöhnen. Die Zeit vergeht. Viel Zeit. Die ersten Passagiere werden rebellisch: Wie lange sollen wir hier denn noch in der Maschine sitzen? Vor einem Flug der ja über 10 Stunden dauern soll? Warum lässt man uns nicht zurück ins Gate? Ich denke mir schon, dass man uns nicht zurück ins Flughafengebäude lassen wird, denn wir sind vermutlich über 800 Leute, und die zusammenzuhalten dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Es vergeht sehr, seehr viel Zeit. Am frühen Abend heißt es, die Räder sind jetzt dran, aber sie müssen noch intensiv getestet werden. Und ach ja, übrigens wird jetzt die Crew ausgetauscht weil deren maximale Arbeitszeit sonst nicht eingehalten werden kann. Die Ersatzcrew muss nun erstmal herangetrommelt werden. Jetzt werden die Leute im Flugzeug langsam laut. Unverschämtheit! Freiheitsberaubung! Die Crew tut ihr Möglichstes, uns bei Laune zu halten, es gibt kostenlos Champagner für alle. Ob Alkohol jetzt wirklich eine gute Idee ist …? Irgendwann zwischen 20 Uhr und 20.30 Uhr hören wir, dass wir jetzt eigentlich abflugbereit sind, aber im Moment steht kein Fahrzeug zur Verfügung, dass uns aufs Rollfeld ziehen könnte. Der Kapitän schätzt, dass wir gegen 21 Uhr abheben werden, und dankt uns für unsere Geduld.  Der Zorn schlägt laute Wellen: „Also wenn es um 21 Uhr nicht klappt werd ich die verklagen!“

Immerhin, wir kommen wirklich kurz vor 21 Uhr los. Und haben jetzt noch 10 Stunden Flug vor uns, nach den über 8 Stunden, die wir jetzt schon im Flieger verbracht haben. Mein Anschlussflug in Singapur ist natürlich längst weg. Vielen geht es wie mir, und noch unangenehmer ist es für eines der deutschen Paare vor mir: Die hatten von Singapur aus eine Tour auf eine Insel gebucht, mit teurem Hotel, Wellnesspaket und pipapo. Das wird jetzt natürlich nix mehr, und an deren Stelle wäre ich jetzt auch sauer. Die Crew kann natürlich in einem vollbesetzten Airbus nicht allen Leuten sagen was nun genau aus ihren Anschlussflügen wird, wir werden auf Singapur vertröstet, wo wir durch die Zeitverschiebung zur denkbar ungünstigsten Zeit ankommen: Nachts um 2 Uhr.

Aber man muss Singapore Airlines wirklich mal für das Krisenmanagement loben. Als wir nachts ins Gate stolpern finden wir dort eine lange Reihe von Tischen aufgebaut, auf jedem steht deutlich sichtbar ein Fähnchen mit den Stadtnamen der Anschlussflüge die an diesem Tisch gemanagt werden, und an jedem sind reichlich Mitarbeiter vorhanden um die Massen an Leuten so zügig wie möglich abzufertigen. Jeder bekommt einen Hotelgutschein, einen Einkaufsgutschein (die Höhe variiert je nach gewählter Flugklasse) und das Ticket für den nächstmöglichen Anschlussflug. Alles schon fertig vorbereitet, gebucht und geregelt. Ich bekomme ein Zimmer im Flughafenhotel und muss nur kurz durchs Terminal gehen. Das Check-in geht schnell, und mir wird (alle Achtung, Singapore Airlines, die lassen sich nicht lumpen) ein Zimmer im Jewel Wing zugewiesen. Und das ist wirklich recht luxuriös:

Dankbar falle ich ins bequeme Bett (allein dass man sich hinlegen und ausstrecken kann ist schon erholsam!) und schaffe wirklich ein paar Stunden Schlaf.

Das Luxuszimmer hat eine Luxusdusche, die ich natürlich intensiv austeste. Das Frühstücksbüffet ist so umfangreich dass man schon einen kleinen Spaziergang braucht um alles anzusehen – leider habe ich da nicht wirklich was von, weil ich morgens halt nicht viel essen kann, aber selbst für mich gibt es eine riesige Auswahl von Brot- und Gebäcksorten und einen ganzen Tisch voller Brotaufstriche, und die sind alle ganz köstlich. Ich verbringe noch ein bisschen Zeit fernsehend auf dem luxuriösen Zimmer und gehe mittags dann zum Gate, wo der nächste Flieger bereit steht. Kein Airbus diesmal, leider, „nur“ eine Boeing. Die ist aber erstaunlich leer, es sind nur vereinzelt Plätze besetzt, fast könnte man glauben dieser Flieger sei ausschließlich für die Anschlussreisenden von letzter Nacht herbeigeschafft worden. Das ist praktisch, denn so muss man nicht ständig den Sitznachbarn ansprechen wenn man aufstehen will, und man kann oft und bequem im Gang stehen und sich ein bisschen die Füße vertreten.

Der Flug verläuft im Prinzip glatt, ist aber etwas „bumpy“, was mich doch immer leicht nervös macht. Lieber Gott, bitte lass uns heil nach hause kommen.

Wir erreichen Frankfurt gegen 20 Uhr. Erleichtert hole ich meinen Koffer vom Band (immerhin, das hat geklappt!), stelle aber dann hektisch fest, dass ich offenbar den Pickup-Code für mein Bahnticket verbaselt habe. Also zum Bahnschalter und schnell ein richtiges Ticket kaufen (zuhause werde ich dann feststellen, dass ich den Code sehr wohl noch hatte, in der Hektik aber offenbar überblättert habe).

Abends gegen 22 Uhr bin ich zuhause. Meine Mutter hat heldenhafterweise auch diesen Tag noch hier verbracht (theoretisch hätte sie um diese Zeit ja schon zuhause sein können), und die Katzen begrüßen mich ganz normal: Ach ja, dich kennen wir, gibt’s noch was zu essen?


Ende eines einmaligen Abenteuers. „Und, hat es sich für dich gelohnt?“ Ja, hat es. War eine schöne Zeit mit vielen neuen Eindrücken und ganz, ganz vielen Erinnerungen, die ein Teil von mir geworden sind.

Würde ich das nochmal machen? Im Prinzip ja, gerne sogar. Wenn bloß die Fliegerei nicht wäre … Dadurch, dass ich von zwei Jahren Urlaub zusammengelegt habe, habe ich für den Rest des Jahres auch nur noch wenig Urlaub übrig.

Was würde ich anders machen? Das nächste mal würde ich vielleicht komplett alles selber buchen. Das Reisebüro war schon sehr hilfreich, vor allem weil es ja mein erster Besuch in NZ war, aber da ich nun weiß wie das mit den Intercity-Bussen funktioniert, wie man Entfernungen einschätzen muss und wo die Knackpunkte bei den Taxis sind würde ich schon gerne selber buchen. Vor allem bei den Intercity-Bussen wäre das vermutlich praktischer, weil man dann die Buchungsbestätigungen hat und im Zweifelsfall vorzeigen kann, während ich bei der Buchung über das Reisebüro nur eine vom Reisebüro erstellte Liste mit Verbindungen hatte, die ein Busfahrer nicht als Ticket anerkennen muss wenn mal was nicht geklappt hat, da ist man auf Kulanz angewiesen.

Es wäre auch durchaus zu überlegen, die vier Wochen nur auf einer Insel zu verbringen. Mir hat die Nordinsel mit ihren geothermal sights und der Bay of Islands sehr gefallen, andererseits hat die Südinsel wilde Natur zu bieten … eine schwierige Entscheidung, aber jede der Inseln bietet genug für vier Wochen. Mehr als genug.

Und es ist schon so, dass man ohne eigenes Auto eben nicht überall hinkommt. Ich habe zum Beispiel Punakaiki und Moeraki nicht sehen und den Ruakuri Bushwalk nicht machen können, schade aber nicht zu ändern. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert (wenn genug Zeit zur Verfügung steht) zu Beginn der Reise einige Tage in Auckland zu bleiben (Auckland hat durchaus was zu bieten!) und ein paar Fahrstunden zu nehmen, um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, und dann eben doch als Selbstfahrer unterwegs zu sein. Ich weiß nicht ob ich mich trauen würde, aber man wäre schon unabhängiger.

Und das Equipment? Waren im Rückblick die Kaufentscheidungen richtig? Jou. Zunächst der Koffer: Osprey Sojourn 80. Hat klaglos die Handling der Intercity-Busfahrer und die diversen Flugumstiege überstanden. Rollt leicht, ist gut zu packen wenn es mal die Treppe hochgeht, hat ausreichend Reißverschlusstaschen und stabile Verschluss- und Stauriemen. Rucksack: Osprey Quasar 28. Bietet genug Platz für Verpflegung und Regenklamotten. Richtig genial sind von Eagle Creek die Pack-it-Taschen, ich hatte vier davon mit und hätte zwei mehr durchaus brauchen können – wenn die Dinger nicht so teuer wären! Aber sie sind wirklich unglaublich praktisch, vor allem die komprimierbaren Kompaktversionen. Shirts in eine Tasche, Wäsche in eine andere, Wanderhemden und Treckinghosen in die nächste, Langarmshirts in eine eigene … und schon wird es im Koffer übersichtlich. Ebenfalls bewährt hat sich von Osprey der Mini-Roll-Waschbeutel, der erstaunlich viel Platz bietet, gut aufzuhängen und gut wieder zu verstauen ist. Alle Sachen von Eagle Creek und Osprey zeigen keine Auflösungserscheinungen.

Schuhe, ganz wichtig. Ein gut sitzendes Paar Wander-/Trekkingschuhe sind schon die halbe Miete, die hab ich fast überall angehabt wo es nicht grade 28 Grad waren. Für mich passen die Scarpa Zen Light prima, endlich ein Trekkingschuh für schmale Füße (nicht dass es in diesem riesigen Globetrotter-Laden in Köln, der nun wirklich viel Auswahl hat, mehr als diesen einen Schuh gegeben hätte der mir gepasst hat). Als leichten Stadtschuh habe ich im Ausverkauf von Merrell den Allout Blaze ergattern können, der sich sehr gut bewährt hat und der auch zuhause noch reichlich Verwendung finden wird. Als Sandale hatte ich mir von Keen den Clearwater CNX zugelegt, geniales Teil mit einem schönen Zehenschutz, ist wassertauglich und superbequem. Das reicht für NZ absolut, Lederschuhe kann man getrost zuhause lassen.

Regensachen! Unbedingt mitnehmen. Ich wollte mir keine von diesen sündhaft teuren Regenjacken kaufen und habe schließlich eine schnell verstaubare Regenjacke von kway erstanden, „Claudette“, so ein Überziehding das wir früher immer auf Klassenfahrt mit hatten. Schön leicht, klein verstaubar und schnell über eine Fleecejacke drüberzuziehen, hat absolut ausgereicht. Die Regenhose habe ich nur zweimal gebraucht, aber beim neuseeländischen Wetter weiß man ja nie, und diesen zwei Fällen war sie auch dringend nötig.

Und sonst? Unbedingt zu den Wanderschuhen diese idiotisch teuren „Smart Wool“ (häh??) Socken kaufen. Waren sehr bequem, nehmen Feuchtigkeit auf und sorgen dafür, dass nix scheuert. Bügelfreie Trekkinghemden, ein paar Langarmshirts für Wellington und Dunedin 😀 , eine billige Softshell-Fleecejacke, eine Baumwollstrickjacke, zwei Jeans, Wäsche, drei Paar Tennissocken, ein Badeanzug. Fertig.

Ach ja: Tablet, Smartphone, USB-Stick (bloß nicht den Laeta Twin von Hama! Der ist Schrott. Lieber einen stinknormalen von Sandisk, plus Kabel). Und ja, der Kollege hatte Recht: Eine Kamera. Der digitale Zoom im Smartphone is‘ Müll.

 

Ein Gedanke zu “Rückreise und Fazit

  1. Hach, schön, dass es noch diesen abrundenden Blogeintrag gibt.
    Beim Lesen leidet man soo mit und ist im Nachhinein wieder erleichtert, dass es letztendlich doch gut ausgegangen ist.

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